„Wir fühl’n uns so Westklang!“ – Ein Neustart

oder
Unser Weg vom „Homechoring“ zu Studioaufnahmen mit Videodreh und unserem eigenen Song by Westklang

Boah, sind wir stolz! Auf unser eigenes Chorlied, das wir selbst getextet und für die professionelle Umsetzung sowohl das Arrangement als auch das Tonstudio in kürzester Zeit organisiert haben. Sogar ein Musikvideo wurde gedreht, für das wir selbst ein Drehbuch schrieben. Doch ohne entsprechende Unterstützung hätten wir dieses Projekt in dieser Form keinesfalls allein stemmen können. Und so begann es…

Überspringen wir mal unsere Versuche, trotz Lockdowns, zusammen zu singen und irgendwie unser Gemeinschaftsgefühl aufrecht zu erhalten. Wie jeder andere Chor zoomten und skypten wir in heimischen Gefilden und stießen doch immer wieder an technische Grenzen. Und auch wir bastelten ein „Lockdown“-Video in unseren Wohnzimmern. Das Ergebnis ließ sich hören und sehen. Doch wie sollte es weiter gehen mit 60 Hobbysänger und -sängerinnen durch Zimmer- und Häuserwände getrennt? Wie wäre es damit, die Zeit zu nutzen, einen eigenen Song zu schreiben, über uns, eine Westklanghymne?

Zeitgleich startete der Bewerbungsaufruf des Bundesmusikverbands Chor & Orchester. Dieser rief ein Förderprogramm unter dem Titel „Neustart Amateurmusik“ ins Leben, um auch den Amateurprojekten in der Pandemie Perspektiven und einen Motivationsschub zu ermöglichen. Wir bewarben uns mit unserer Idee zu einer eigenen „Chorhymne“ und haben die Auswahljury mit unserer Planung dafür überzeugt. Wenig später bekamen wir den Zuschlag zur Förderung des Projektes. Die Freude war riesengroß, denn die Zusage brachte uns die benötigte finanzielle Unterstützung.

Nun konnten wir uns einen lange gehegten Traum erfüllen und unsere Ideen über Textfassung, musikalischer Vertonung bis hin zur Studioeinspielung und Videoproduktion – diesmal ganz professionell – umsetzen. Allein das Zeitfenster war eng. Sehr eng.

Glücklicherweise fanden wir in Oliver Gies einen sehr bekannten Komponisten/ Arrangeur aus der Jazz- und Popchor-Szene, der schon öfter mit und für Karin, unsere Tonangeberin, Stücke arrangiert bzw. komponiert hat. Aus den vier Textentwürfen aus jeder Stimmgruppe packte Oliver Gies die musikalische Seele unseres Chores in diesen Song und schon war sie geboren: unsere Westklanghymne.

Und dann ging es erst richtig los: endlich durften wir wieder zusammen singen und bekamen so die Möglichkeit, unseren Traum in die Realität umzusetzen.

Die zweite Stufe zündet

Mit den Leipziger „Off The Road Studios“ fanden wir ein Tonstudio, das sowohl technisch unsere Erwartungen übertraf, als auch atmosphärisch zu uns passte. Doch bis wir diese Studioluft schnuppern durften, war noch richtig viel zu tun. Und ja, das Zeitfenster war ziemlich knapp bemessen, aber wir nehmen jede Herausforderung sportlich und legten uns nochmal richtig ins Zeug. Wir probten zweimal wöchentlich, klangen, tönten und säuselten an einem intensiven Probewochenende in unseren Leipziger Probenräumen und nutzten jede freie Minute für das Üben mit unseren Übungstracks (Danke Karin!). Manche von uns träumten vom Text „grüner Auwald, blauer Cossi“. Andere summten weitere Passagen im Schlaf. Wir fühlten uns so Westklang. Und wir fühlten uns fit und freuten uns aufs Tonstudio. Aber da war doch noch etwas?

Im ganzen Probentrubel hatten wir fast die Videoaufnahmen vergessen. Doch wir wären nicht Westklang, wenn wir auch das nicht so kurzfristig aus dem Boden gestampft hätten: Nach gefühlten kurzen drei Tagen Drehbuch schreiben, Kontakte ausfindig machen und Logistik koordinieren, ließen sich die Filmprofis Philip Wieneke und Sebastian Köhler neugierig auf dieses kurzfristige Projekt ein.

Eine letzte Generalprobe in den „Off The Roads Studios“ war der Auftakt zu einem äußerst intensiven Projektwochenende: Tonaufnahmen jeder einzelnen der vier Stimmgruppen und Videodreh, und das alles an nur zwei Tagen.

Jeder von uns tauchte an diesen zwei Tagen ab in unser ganz eigenes Westklang-Universum. Vergessen war der Haushalt, die heimischen und beruflichen Pflichten und Aufgaben: einfach nur noch *unsere* Musik! Das war nicht immer einfach. Es verlangte viel Geduld, Konzentration und gute Laune, um am Ball zu bleiben und den roten Faden nicht zu verlieren. Es war komisch, sich selber über Kopfhörer zu hören; viele von uns standen das erste Mal in einem Tonstudio. Auf einmal zählte jeder Fehler, verstecken hinter den anderen konnte man sich nicht mehr. Doch nach der anfänglichen Anspannung kam der Spaß und der Groove zurück. Dies hatten wir vor allem unseren gelassenen und motivierten Tonspezialisten Marzi und Kevin zu verdanken, die nicht nur gute Tipps gaben, sondern uns auch mit ausreichend Tee versorgten.

Und wie das eben so ist im Künstlerleben: erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt: Die Arbeit im Tonstudio dauerte doch länger als geplant, so dass die Video-Crew spontan den Ablauf für den Dreh umplanen musste. Aber im Salz liegt ja die Würze und wir wurden mit ausreichend Sonnenschein und wunderschönen Herbstfarben belohnt. Wir radelten durchs Bild, sangen auf der Könneritzbrücke, schaukelten in den Himmel und hatten einfach eine Menge Spaß.

„Wir sind Westklang“ war im Kasten.

Hier gilt ein großer Dank an unsere Karin, die es immer vermochte, ein Lachen aus uns herauszukitzeln, uns die Anspannung zu nehmen und mit viel Energie und Elan den gleichen Takt zum 100. Mal mit uns einzuproben. Wir sind eben keine Profis, aber fühlten uns ein wenig als solche.

Danke ans Tonstudio, insbesondere an Marzi (Christopher Peyerl) und Kevin, die uns mit viel Geduld und starken Nerven betreuten.

Danke an die Jungs hinter der Kamera: Philip und Sebastian, die mit viel Gelassenheit die wichtigen Momente gekonnt einfingen.

Und lieber Westklang-Vorstand: ohne euch wäre das Projekt gar nicht erst zustande gekommen. Leise und unbemerkt wirkt ihr im Hintergrund und macht überhaupt alles erst möglich. Ihr seid wahre Dompteure, Diplomaten und Seelentröster: Danke für die viele Arbeit.

Und zu guter Letzt: danke an alle Sängerinnen und Sänger. Danke, dass ihr nicht vergessen habt, immer mal tief durchzuatmen, auch mal zu lächeln und den Humor bei Allem nie verloren habt.

Und auch wenn es anstrengend war, gab uns diese intensive Zeit wieder das Gemeinschaftsgefühl zurück, das wir während des Lockdowns so sehr vermisst hatten. Allein schon deswegen hat sich das Projekt mehr als gelohnt.

„Wir sind Westklang“!

Text: Kerstin Langwagen, Marie-Luise Wittwar, Karen Arnold;
Fotos: „Made for Failure“

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