Kleines C(H)ORONA-Tagebuch

Trotz CORONA, mit CORONA – CHOR während CORONA

Wie hält man einen Chor am Leben, der sich bei wöchentlichen Proben begegnet, den das gemeinsame Singen und die Freude an den Songs unseres Repertoires zusammenschweißt…wenn es das alles gar nicht mehr gibt?

Wie vielen anderen Chören und auch Orchestern erging es auch uns: Die ersten Wochen bis Monate durften wir uns gar nicht sehen. Unsere Chorleiterin Karin Grabein nutzte findig Videos und nahm für uns wöchentlich Probenmaterial auf: authentisch, ungeschnitten, für jede Stimmlage ein Video.

„Großartig!“ jubelten die einen, die sich auf die Anleitung im Video konzentrieren konnten und keine Angst vor der „eigenen Stimme“, die plötzlich so laut ist, hatten.

„Das kann ich nicht“ berichteten die anderen, die nicht über die technische Ausstattung verfügen, um einer digitalen Chorprobe akustisch und visuell etwas abzugewinnen. Und dann waren da noch die, denen es nicht möglich war, sich die Ruhe, die Zeit oder den Raum zu nehmen, weil plötzlich alle Familienmitglieder zu Hause sind!

Wir als Vorstand waren während der Chorprobenpause aktiver als je zuvor. In zweiwöchigem Rhythmus trafen wir uns virtuell, überlegten, planten und spielten Szenarien der Probenwiederaufnahmen durch. Und hielten am Ziel einer gemeinsame Chorfahrt – verschoben vom März – auf den September fest.

Vom Singen im Freien und der Suche nach einem Winterquartier

Endlich wieder proben! Als sich kurz vor den Sommerferien die Infektionszahlen zu beruhigen schienen und Proben unter bestimmten Voraussetzungen wieder möglich wurden, trafen wir uns: in kleinen Gruppen und unter freiem Himmel. Weil alle nach der langen Pause nach dem gemeinsamen Singen dürsteten, wollten wir es so vielen wie möglich einrichten: mit zwei Durchgängen, jeweils für eine Stunden hintereinander.

Aber die Akustik im Freien und die kurze Dauer der Probe hinterließen einen schalen Beigeschmack in der Sängerkehle und ließen den Wunsch nach mehr aufkommen. So viele wie wir gedacht hätten, besuchten nicht die Proben, sodass wir bald dazu übergingen, die Proben mit maximal 16 Teilnehmern auf zwei Stunden Länge „wie früher“ durchzuführen. Bis auf zwei Wochen Pause in den Sommerferien klappte das auch super.

Und dann kam die Erdrotation zum Tragen: die Sommerabende wurden kühler und kürzer und bereits ab August konnten wir nur noch mit Stirnlampe draußen singen. Die Rückkehr in Innenräume blieb also unausweichlich. Aber wo finden wir einen Raum, der uns alle als Chor gemeinsam Platz bei gefordetem Abstand bietet? Unser bisheriger Probenraum, die Winterkirche der Heilandskirche, lässt laut Hygienekonzept nur 15 Leute beim Singen zu. Der Kirchenraum der Heilandskirche bietet Platz für alle gemeinsam. Aber die Akustik im unbestuhlten Kirchenschiff und auch die Aussicht auf eiskalte Temperaturen in der im Winter ungeheizten Kirche machten uns keinen Mut.

Alle schwärmten aus, ließen ihre Gedanken schweifen und aktivierten ihre gesamten Bekanntenkreise um ein Winterquartier für unseren Chor aufzutreiben. Aber Schulen lassen uns nicht in ihre Aula, Turnhallen werden nur an Sportvereine vergeben und andere Räume bleiben finanziell unerschwinglich für unseren Verein, der sich nur aus Mitgliedsbeiträgen und ab und zu einem Auftrittshonorar finanziert.

Eine Chorfahrt, die ist trotzdem lustig

Was lieben wir eigentlich so am Chorleben? Das konnten wir deutlich fest stellen, als uns monatelang das gemeinsame Singen, das Beisammensein und die mitsingenden Menschen um einen herum, die einfach die Freude an den Songs unseres Repertoires zusammenbringen, fehlten. Umso schöner war es, am ersten Septemberwochenende zur gemeinsamen Chorfahrt aufbrechen zu können.

Unser Vorstand und unsere Chorleiterin Karin Grabein hatten sich zuvor ausgiebig kundig gemacht, unter welchen Hygienemaßnahmen eine Chorfahrt machbar wäre. Daher gelang es uns durchweg ganz gut, allen ein gutes Gefühl zu geben. Eine Großzahl Mitsingende hielt an ihrer Anmeldung fest.

Unser Reiseziel, die Jugendherberge Wernigerode warf ihren Ruf voraus, als Musik-Jugendherberge besonders gute Bedingungen für Orchester und Musikgruppen zu bieten. Darin wurden wir nicht enttäuscht! Ein ganzes Musikhaus stand nur unserem Chor zur Verfügung. Wir hatten Probenräume in denen wir gemeinsam proben konnten und diverse Außen- und Innenräume, um aufgeteilt in die einzelnen Stimmgruppen intensiv in Kleingruppen zu üben. Man spürte: alle hatten richtig Lust, wieder zu singen! Wir frischten unser Repertoire auf und studierten einen neuen Song, „Bohemian Rhapsody“, fast vollständig ein. Gänsehaut pur! Die tolle Akustik im Studio nutzten wir gleich, um eine Aufnahme dafür für die Daheimgebliebenen aufzuzeichnen.

Die Jugendherberge hatte uns nicht nur Probenräume sondern auch Schlafräume in großer Zahl zur Verfügung gestellt, sodass wir maximal zu zweit unterkamen. Auf den Boden gezeichnete Laufrichtungen im Haus, insbesondere in den Treppenhäusern und im Speiseraum unterstützen dabei, die Maßnahmen einzuhalten und die Abstände zu ermöglichen. Man hatte sich schnell daran gewöhnt, beim Umhergehen die Masken zu tragen und auch am Buffet wurde es selbstverständlich.

Texte: Andrea Rübsam

We ´ve got the swing

Mit Swing, Jive, Pop und sogar ein wenig Punk durften wir am Sonnabend im Wechsel mit anderen sächsischen Chören Passagen der Leipziger Innenstadt zum Erklingen bringen. Der ersten Aufregung, da wir nicht wussten wo und wie wir stehen werden, wie die Akustik in den offenen Durchgängen sein wird und ob wir hier Publikum begeistern können, wich einer großen Singfreude. Wir hatten alle viel Spaß.

 

 

 

 

Ganz überraschend jubelten uns sogar pausierende Mitglieder unseres Chores zu, die sich zur Zeit um ihren Nachwuchs kümmern. Zwischen den beiden Kurzkonzerten stürzten wir uns alle ganz begeistert auf die fünfmonatigen neuen Chormitglieder.

Wir danken dem Leipziger Chorverband für diese wunderbare Möglichkeit, der zum vierten Mal das Leipziger Passagensingen organisierte.

Text: Karen Arnold; Fotos: Katja Hunger, Maja Herrmann-Fuchs